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Das bayerische Integrationsgesetz, visualisiert |
Am Samstag, den 02.April fand eine Sitzung des Jugendaktionsausschuss gegen den Notstand der Republik statt, ein Bündnis einer Reihe linker Jugendorganisationen. Auf dieser Sitzung wurde der Gesetzesentwurf des bayerischen Integrationsgesetzes vorgestellt, über das dieser Artikel -polemisch- informieren will:
Bayern.
Ein schönes Land, das viel vorzuweisen hat: Berge, Seen,
Wälder, gutes Bier, Zwiebeldächer auf Kirchtürmen und, wenn es nach dem Willen
der CSU geht, demnächst wieder ein Rassengesetz.
Ja, richtig gelesen: Die bayerische Staatsregierung plant
derzeit ganz konkret einen Gesetzesentwurf, der durchaus den Titel "Rassengesetz" verdient. Natürlich, die CSU ist nicht so blöd, diese
Ungeheuerlichkeit in Gesetzesform beim Namen zu nennen. Stattdessen heißt das
Ding einfach „Bayerisches Integrationsgesetz“.
Dabei gibt der Gesetzesentwurf aus dem Hause Seehofer vor,
ihm ginge es um die Unterstützung geflüchteter Menschen. Und tatsächlich steht
einiges im Gesetz, das man durchaus unterschreiben kann, etwa Sprachförderung
von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist oder die Verbesserung des
Angebots von Sprachkursen für Geflüchtete. Wunderbar.
Doch bevor nun der innere Linksliberale jubiliert: Das ist
leider nur Makulatur. Worum es dem Gesetz geht, das macht es bereits zu Anfang
in einer eigenen Präambel (eine Art Vorwort für Gesetze, hat normalerweise nur
eine Verfassung) deutlich:
„Jeder Einzelne ist daher zur Wahrung des Rechts und zur
Loyalität gegenüber Volk und Verfassung,
Staat und Gesetzen verpflichtet […]Diese
identitätsbildende Prägung unseres Landes (Leitkultur) im Rahmen der
verfassungsmäßigen Ordnung zu wahren und zu schützen ist Zweck dieses Gesetzes.“[1]
Es geht in diesem Gesetz also darum, alle Menschen in Bayern,
nicht nur aber insbesondere die sog. Migranten, auf die immer
wieder im Gesetz zitierte Leitkultur festzulegen. Sie sollen sich loyal
gegenüber „Volk und Verfassung, Staat und Gesetzen“ verhalten. Anders gesagt:
Wer nicht die bayerisch-deutsche Leitkultur, ja: die deutsche Nation selbst,
als Richtlinie für sein Leben akzeptiert gehört nicht dazu, er ist undeutsch.
Und bekommt damit, nach dem Willen der bayerischen Regierung eine Menge Ärger.
Doch dazu gleich mehr: Bevor die Regierung nämlich ans
Strafen geht (und bei Satan, dieses Gesetz straft gerne), beginnt sie nämlich
zu definieren, wer denn nun eigentlich zu integrieren sei. Eh klar: Migranten!
Doch wer ist Migrant? Wenn ihr nun denkt, dass sei jemand, der nach Deutschland
kommt, irrt ihr euch. Für die CSU ist nicht nur ein Neuankömmling ein Migrant,
sondern auch jeder, der mindestens ein „migrantisches“ Eltern- oder
Großelternteil hat:
„Die Regelungen dieses Gesetzes über die Integrationsförderung
gelten entsprechend für Deutsche, die in besonderer Weise integrationsbedürftig
sind und
1. außerhalb der heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschlands
geboren und nach 1955 in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland
zugewandert sind oder
2. zumindest einen Eltern- oder Großelternteil
haben, der die Bedingungen der Nr. 1 erfüllt.“[2]
Anders gesagt: Die CSU bestimmt den Begriff
„Migrant“ und damit auch das „Deutsch-Sein“ über das Blut. Wer eine
„nicht-deutsche“ Oma hat, hat schon nicht mehr genug deutsches Blut, um nicht
unter Umständen „in besonderer Weise integrationsbedürftig“ zu sein. Und damit
ist das defacto ein Rassegesetz: Bürger dieses Landes werden aufgrund ihres
„Blutes“, ihrer Gene, in Kategorien eingeteilt. Wer nicht "reinen Blutes" ist,
passt irgendwie nicht ganz zur „Leitkultur“ und muss erst durch spezielle
Integrationskurse hingebogen werden. Der Gleichheitsgrundsatz ist damit dahin und alles was
irgendwie progressiv an der liberalen Demokratie war, nämlich die funny Idee,
wenigstens juristisch nicht Menschen einzuteilen. Alles am Arsch, wenn es nach der
CSU geht.
"Nicht-Deutsche" werden zu Integrationskursen verpflichtet, wer nicht-deutsch ist oder nicht-deutsch aussieht, wird bspw. in
Zukunft, kommt das Gesetz so durch, grundlos beim Eintritt in öffentliche
Einrichtungen durchsucht und verpflichtet sich öffentlich vor dem Pförtner zur Hausordnung zu bekennen[3].
Immerhin: Die CSU erlaubt nicht reinrassig Deutschen derzeit noch Deutsche zu heiraten
und zwingt sie auch nicht, besondere Symbole an der Kleidung zu tragen, die ihr
Nicht-Deutschsein ausstellt. Aber der Kerngedanke bleibt zutiefst rassistisch.
Wem jetzt schon schlecht, der sei vorgewarnt: Es
kommt noch schlimmer!
Wie bereits gesagt, dreht sich das ganze Gesetze
um die sogenannte Leitkultur, also die Loyalität zu Volk, Nation, Rasse, usw.
Diese soll den „integrationsbedürftigen“ Nicht-Deutschen und Mischlingen in
Integrationskursen beigebracht werden, aber damit nicht genug: Auch in Kindergärten[4],
Schulen[5]
und den Unis[6]
soll das den Nicht-Deutschblütigen eingetrichtert werden, die Erziehung dort
habe sich ausschließlich an diesen Werten auszurichten. Und nicht nur das: Auch
die Medien werden darauf verpflichtet diese Leitkultur zu propagieren:
„Die
Angebote in Rundfunk und Telemedien sollen einen Beitrag zur Vermittlung der
deutschen Sprache und der Leitkultur leisten“[7]
Bayern soll
also demnächst zu einem Land werden, in dem die ganze Volksgemeinschaft, den
jungen Menschen von Kindesbeinen an gezielt zum Deutschtum erzieht. Anders sein
ist nicht erwünscht, sollen doch alle als ergebene Teile des deutschen
Volkskörpers funktionieren. Eintönige Volksgemeinschaft, Angepasstheit als Ideal.
Und wer nun
keinen Bock darauf hat?
Für den gibt es die Artikel 13 und 14 des
bayerischen Integrationsgesetzes. Darin heißt es bspw.:
„Wer durch
demonstrative Regelverstöße, Verunglimpfen oder sonst durch nach außen
ge-richtetes Verhalten beharrlich zum Ausdruck bringt, dass er die
freiheitliche demokratische Grund-ordnung […] ablehnt, kann durch die Sicherheitsbehörden
verpflichtet werden, sich einem Grundkurs über die Werte der freiheitlichen
demokratischen Grundordnung zu unterziehen.“ [8]
Anders
gesagt: Die Polizei kann jemanden zu Integrationskursen verknacken, wenn dieser
sich irgendwie undeutsch äußert oder nur undeutsch aussieht. Ein konkretes
Verbrechen muss dabei nicht vorliegen, es genügt einfach nur in irgendeiner
Form nicht ins Bild zu passen, sich gegen die neue Volksgemeinschaft zu äußern,
oder eben kein direkter Teil von ihr sein zu wollen. Und natürlich wird dann in
Art.14 auch klar gemacht, dass es entsprechend verboten ist, sich öffentlich in
irgendeiner Form gegen diese Leitkultur zu positionieren, also ein
demokratisches Recht auszuüben. Wer dem zuwiderhandelt und auch keine
Integrationskurse besucht, kann dann mit bis zu 50.000€ Strafe belegt werden.
Und weils so schön ist, soll das nicht nur für
Nicht-Deutsche gelten, sondern, wie ein Kommentar anführt, ganz ausdrücklich
auch für deutsche Volksschädlinge:
„Die Regelung ist dabei - schon um nicht
diskriminierend zu sein - nicht auf Ausländer oder Migranten beschränkt. Auch
wer als Einheimischer durch entsprechendes Verhalten auffällt, kann daher zu
einer entsprechenden Belehrung vorgeladen werden. Auch bei ihm besteht in
diesem Falle ja im Zweifel Integrationsbedarf hinsichtlich der geltenden
Rechts- und Werteordnung.“
Wer also nicht zur deutschen Leitkultur der CSU
steht, muss mit Gewalt zu ihr hinerzogen werden. Ob das nun der Schwarze ist,
der anders aussieht, eine Muslima, die es wagt ihr Kopftuch zu tragen, oder der
Punker, vom Kommunisten ganz zu schweigen. Wer die Werteordnung der CSU nicht
anerkennt, wird in Zukunft einfach der bayerischen Polizei ausgeliefert sein.
Du bist tätowiert, glaubst nicht an Gott und bist
transsexuell? Offensichtlich kein Teil der Volksgemeinschaft, also
Integrationskurs, Strafe, Polizeigewahrsam!
Du bist Links, schreist auf Demos „Nie wieder
Krieg!“? Kein Teil der CSU-Volksgemeinschaft, auf zum Zwangskurs!
Du bist schwarz und glaubst an Allah? Zwangsintegration,
aber sofort!
Mit diesem Gesetz kann sich keiner, der nicht in
das gleichförmige Bild der Angepasstheit an die deutsche Nation passt, mehr
sicher fühlen. Jederzeit kann der Staat ihn oder sie festnehmen, durch
„Integrationskurse“ mobben, oder zu Strafen zwingen, ohne dass man auch nur
irgendein Vergehen begangen hat, außer dem, anders zu sein und eine andere
Meinung zu Volk, Nation und Staat zu haben.
Das heißt nichts anderes, als dass die CSU die
Abschaffung von Rechtsstaat und Demokratie fordert. Sie schafft ein
Rassengesetz und führt die Willkürherrschaft und Unterdrückung gegen alle, die
anders sind, die nicht zustimmen, ein. Sie will Bayern in einen Unrechtsstaat
verwandeln.
Die CSU erweist sich damit als
verfassungsfeindliche Partei.
ACHTUNG: Am Freitag, den 15.04. haben wir eine Diskussionsveranstaltung zum Integrationsgesetz organisiert. In diesem Rahmen wird es von Experten von SJD-Die Falken vorgestellt werden. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr. Ort: Vronis Ratschhaus, Donaustraße 1 in Ingolstadt!
ACHTUNG: Am Freitag, den 15.04. haben wir eine Diskussionsveranstaltung zum Integrationsgesetz organisiert. In diesem Rahmen wird es von Experten von SJD-Die Falken vorgestellt werden. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr. Ort: Vronis Ratschhaus, Donaustraße 1 in Ingolstadt!
alle links gehen ins leere und das bild erinnert stark an die Nürnberger Gesetze. schlechter und verspäteter aprilscherz...
AntwortenLöschenGoogle (oder andere Suchmaschine) ist Dein Freund ;-)
LöschenSeite
http://www.zukunftsministerium.bayern.de/integration/konzept/integrationsgesetz/index.php
ENTWURF:
http://www.stmas.bayern.de/imperia/md/content/stmas/stmas_internet/integration/160223_bayintg_entwurf.pdf
Ach sehr nett ist das implizite 'Sonderstrafrecht'. Es gibt mehrere Stellen an denen bestimmte Taten 'bestraft' werden die den mangelnden Integrationswillen darstellen.
AntwortenLöschenZ.B. gegen die demokratische Grundordnung kämpfen. Natürlich unterstütze ich die Verfolgung solcher Taten, egal durch wen. Aber dafür gibt es bereits Paragraphen im Strafrecht, das hat im bayrischen 'Integrationsgesetz' nix zu suchen.
Ich denke das Ding 'platzt' sofort bei ner Verfassungsklage!